ESG-Daten Monitor 2026
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Studie 02.10.2026 · openESG

ESG-Daten Monitor 2026: Banken bewerten KMU meist nach Branchenwerten

Fehlende ESG-Datenbasis: Banken bewerten KMU meist nach Branchenwerten. ESG-Daten Monitor 2026: 89 bis 94 Prozent der Befragten greifen bei fehlenden Unternehmensdaten von KMU auf Branchendurchschnitte zurück. 51 Prozent berichten von ESG-bedingten Kreditablehnungen oder signifikanten Auflagen, wenn auch jeweils nur in selektiven Engagements.

Frankfurt am Main, 2. Oktober 2026: ESG-Risiken wirken bereits auf die Kreditvergabe an den Mittelstand. 51 Prozent der Befragten berichten, dass ihr Institut KMU-Kredite wegen ESG-Risiken ablehnt oder nur unter signifikanten Auflagen genehmigt. Fehlen kleinen und mittleren Unternehmen eigene ESG-Daten, greifen Banken und Leasinggesellschaften überwiegend auf Branchendurchschnitte zurück: Das geben 89 bis 94 Prozent der Befragten an, abhängig von der Größe ihres Instituts. Im Standardprozess der KMU-Kreditvergabe werden nach Angaben von zwei Dritteln der Befragten Branchenwerte verwendet, berichtete Unternehmensdaten nur bei höchstens 21 Prozent.

Das zeigt der ESG-Daten Monitor 2026, für den die Frankfurt School of Finance & Management zusammen mit openESG und Acuity Analytics 154 Fachleute aus Banken und Leasinggesellschaften befragt haben. Michael Sindram, Mitautor der Studie, stellt die Ergebnisse am 2. Oktober 2026 auf dem Sustainable-Finance-Gipfel im Commerzbank Tower in Frankfurt vor.

Für Banken sind Branchenwerte ein zulässiger und praktikabler Weg, wenn unternehmensbezogene Daten fehlen. Für Unternehmen und Kreditinstitute hat das jedoch eine Kehrseite: Wer bei ESG mehr Engagement zeigt als der Branchendurchschnitt, kann diesen Vorteil ohne eigene Daten in der Kreditentscheidung nicht belegen. Gleichzeitig können ESG-Risiken fehlbewertet werden. Dabei ist der Aufwand überschaubar: 74 Prozent geben an, die ESG-Daten eines KMU in weniger als zwei Stunden zu erfassen. Die größten Hürden sind nach Angaben der Befragten die Verfügbarkeit und Qualität der Daten.

„Wer besser dasteht als seine Branche, verschenkt ohne eigene Daten ein Argument im Kreditgespräch“

Michael Sindram, Geschäftsführer der openESG GmbH

Weniger Berichtspflichten, aber weiter hoher Datenbedarf

Die Ergebnisse treffen auf ein regulatorisches Umfeld, in dem die unmittelbaren Berichtspflichten für Unternehmen deutlich reduziert wurden. Mit der Omnibus-I-Richtlinie wurde der Anwendungsbereich der CSRD auf Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und mehr als 450 Millionen Euro Jahresumsatz verengt. Gleichzeitig müssen Banken ESG-Risiken nach der 9. MaRisk-Novelle und den EBA-Leitlinien weiterhin in ihrem Risikomanagement berücksichtigen.

49 Prozent der Befragten erwarten, dass sich die ESG-Datenerfassung durch die Omnibus-Regelungen weiter verschlechtert. Bereits heute halten 69 Prozent die Datenerfassung für herausfordernd. Auch der freiwillige Standard für KMU (VSME) schließt die Datenlücke nicht: Nur 7 Prozent halten sein Basismodul für ausreichend, um physische Klimarisiken zu bewerten.

„Besonders bei nicht-berichtspflichtigen Unternehmen im Mittelstand dürfen unsere Datenbedarfe nicht zu unkoordinierten bilateralen Abfragen führen. Daher setzen wir auf Basisstandards wie den Voluntary Standard (VS) mit klar definierten, digital nutzbaren und wiederverwendbaren Daten“, sagt Bettina Storck, Chief Sustainability Officer der Commerzbank, im Interview zur Studie.

Sektor- und Rechtsrisiken zählen bei der Kreditentscheidung mehr als CO₂

Wo ESG-Risiken zu Ablehnungen oder Auflagen führen, betrifft dies meist nur einen kleinen Teil des Kreditgeschäfts: 47 Prozent nennen weniger als fünf Prozent der KMU-Kredite, weitere vier Prozent beziffern den Umfang auf fünf Prozent oder mehr.

Als besonders entscheidungsrelevant gelten die Aktivität eines Unternehmens in bestimmten Sektoren (72 Prozent) und Rechtsverstöße (61 Prozent). Treibhausgasemissionen der Scopes 1 und 2 nennen dagegen nur 37 Prozent. „Banken bewerten, was sie verlässlich messen können. Die Branche eines Unternehmens ist bekannt, seine Emissionen meist nicht. Solange sich das nicht ändert, bleibt der Sektor der wichtigste ESG-Indikator im Mittelstandskredit“, sagt Dr. Sebastian Rink, Mitautor der Studie.

ESG-Relevanz im Firmenkundengeschäft nimmt zu, aber nicht bei allen Banken

Bei großen, berichtspflichtigen Firmenkunden beeinflussen ESG-Risiken nach Einschätzung der Befragten inzwischen durchschnittlich 46 Prozent des Kreditgeschäfts. 2024 waren es 40 Prozent, 2025 nur 34 Prozent. Hinter dem Anstieg verbirgt sich eine zunehmende Spreizung: Der Anteil der Befragten, bei denen ESG-Risiken mehr als 80 Prozent des Geschäfts beeinflussen, stieg seit 2024 von 13 auf 36 Prozent. Der Anteil im Mittelfeld sank gleichzeitig von 45 auf 17 Prozent.

„Bei großen Firmenkunden sieht ein Teil der Befragten fast jede Kreditentscheidung durch ESG-Risiken beeinflusst, bei anderen spielen sie kaum eine Rolle. Wie sehr ESG-Risiken die Finanzierung beeinflussen, hängt damit vor allem von der Bank ab“, sagt Dr. Maurice Dumrose, Mitautor der Studie. Zwischen den Bankengruppen fallen die Werte leicht unterschiedlich aus. Im KMU-Kredit sind ESG-Daten für 67 Prozent der Befragten aus genossenschaftlichen Instituten teilweise oder immer entscheidungsrelevant, bei öffentlich-rechtlichen Instituten für 63 Prozent und bei privaten Instituten für 56 Prozent.

Zur Methodik

Befragt wurden 154 Fachleute aus privaten (61), öffentlich-rechtlichen (51) und genossenschaftlichen (41) Instituten; eine Person machte dazu keine Angabe. 30 Befragte arbeiten in Leasinggesellschaften. 47 Befragte sind im Kreditbereich tätig, 58 im Strategie- und Nachhaltigkeitsmanagement und 14 in Vorstand oder Geschäftsführung. Die Online-Befragung lief von Juli bis September 2026. Die Teilnehmer wurden über eine neutrale E-Mail-Adresse sowie über Fachnewsletter und LinkedIn angesprochen. Die Umfrage ist keine Panelerhebung, jedoch zeigen die Zeitvergleiche Tendenzen. Alle Anteile beziehen sich auf Befragte; mehrere Befragte können demselben Institut angehören.

Autoren des ESG-Daten Monitors 2026 sind Dr. Sebastian Rink (Frankfurt School of Finance & Management), Dr. Maurice Dumrose (Universität Kassel), Michael Sindram (openESG) und Heimo Saubach (Acuity Analytics). Rink und Dumrose verantworten Befragung und Auswertung, openESG und Acuity Analytics haben die Studie konzipiert und finanziert.

Die vollständige Studie senden wir Ihnen auf Anfrage zu. Nutzen Sie dafür die Schaltfläche „Studie anfordern“ am Ende dieser Seite.

Über die Frankfurt School of Finance & Management

Die Frankfurt School of Finance & Management zählt zu den renommiertesten Business Schools Europas und nimmt mit dem FS UNEP-Centre eine Schlüsselrolle bei der Förderung von nachhaltigen, klimaresilienten Finanzierungsansätzen ein.

Über openESG

Die openESG GmbH aus Frankfurt am Main digitalisiert die Erhebung von ESG-Daten im Kreditgeschäft. Finanzinstitute erhalten Daten direkt vom Kreditnehmer, geprüft und mit nachvollziehbarer Herkunft für Kreditprozess, Risikomanagement und Revision. openESG wurde 2022 gegründet und ist Mitherausgeberin des ESG-Daten Monitors.

Über Acuity Analytics

Acuity Analytics, vormals PPA Group, ist ein Technologie- und Dienstleistungspartner für Banken und Finanzinstitute. Das Unternehmen digitalisiert und strukturiert Finanz- und ESG-Daten aus Unternehmensberichten und bereitet sie für Kreditentscheidungen, Risikoanalysen und weitere bankinterne Prozesse auf. Mit Standorten in Darmstadt und Zürich unterstützt Acuity Analytics seit mehr als 20 Jahren Finanzinstitute in Deutschland und der Schweiz.

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